QUELLE: FIFA

FIFA-Präsident Gianni Infantino:

“Meine lieben Freunde,

zunächst einmal hoffe ich, dass Ihr und Eure Familien und Freunde gesund sind und dass es Euch gut geht. Auch wenn wir voneinander getrennt sind, bleiben wir ein Team, und gemeinsam unterstützen wir all jene, die in diesen schwierigen Zeiten Leid erfahren.

Im Anschluss an meine letzte Nachricht möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, Euch über den aktuellen Stand einiger Aktivitäten bei der FIFA zu informieren, beginnend mit dem Dank an das Büro des FIFA-Rates für dessen Aktivitäten in den letzten zwei Monaten.

Ihr habt die medizinischen Empfehlungen gesehen, die wir in der vergangenen Woche mit Blick auf einen Fahrplan zur Wiederaufnahme von Wettbewerben herausgegeben haben, wobei wir immer das wichtigste Prinzip im Auge behalten: Die Gesundheit steht an erster Stelle! Auch die jetzt bestehende Möglichkeit, bis zu fünf Auswechslungen vorzunehmen, verfolgt das gleiche Ziel: die Gesundheit zu schützen, in diesem Fall die Gesundheit unserer Spieler.

Wir müssen die öffentliche Gesundheit als oberste Priorität wahren, ohne dabei das Wohlergehen der Spieler, der Offiziellen und aller, die an fussballerischen Aktivitäten teilnehmen, zu vergessen.

Die FIFA vertraut auf die Beurteilungen, die Ihr sowie die Regierungen und Gesundheitsbehörden Eurer Länder getroffen haben und noch treffen werden. Wir hoffen, dass das Tool der WHO zur Risikobewertung sowie unsere Richtlinien Euch bei der Entscheidung über die beste Vorgehensweise helfen können.

In mehreren Ländern wurde der Fussball bereits wieder aufgenommen oder steht kurz vor dem Neustart. Das lässt uns und alle Fussballfans rund um den Globus für die Zukunft hoffen. Allerdings müssen wir auch abweichende Entscheidungen verstehen und respektieren, insbesondere von denen unter uns, die noch mehr Zeit brauchen, um sicher zu sein, dass ein Neustart auf eine für alle sichere Art und Weise möglich ist.

Ich unterstütze – die FIFA unterstützt – jeden Einzelnen von Euch. Es gibt bei all diesen Situationen nicht die eine, richtige Antwort. Die Situation ist in jedem Land anders, und niemand weiß besser als Ihr selbst, wie man am besten mit dieser enormen Herausforderung umgeht. Toleranz und Verständnis sind in diesen Zeiten sehr wichtig.

Und wir dürfen natürlich auch nicht vergessen, dass es einen Platz für die Fans geben muss. Fussball ohne Zuschauer ist nicht dasselbe, aber wir müssen geduldig sein bei der Frage, wann die Fans wieder in die Stadien zurückkehren können. Wir arbeiten auch weiterhin unermüdlich, aber auch diskret und respektvoll daran, Schritt für Schritt über diese zeitweiligen Maßnahmen hinauszugehen, und gleichzeitig verantwortungsbewusst dafür zu sorgen, dass die Fans wieder sicher in die Stadien kommen können.

Meine lieben Freunde, in dieser Zeit müssen wir noch enger als sonst zusammenarbeiten, unsere Erfahrungen teilen und uns gegenseitig helfen. Durch diese Solidarität finden wir auch die Lösungen für einen noch besseren Fussball in der Zukunft.

Die Wiederaufnahme des Elitefussballs hatte verständlicherweise Priorität, doch wir müssen auch an die Nationalmannschaften, den Frauenfussball, die Amateurligen, den Nachwuchsfussball und den Breitensport denken. Wir müssen bei allen Aspekten des Fussballs Einigkeit demonstrieren und sicherstellen, dass der Fussball und seine Globalität wiederhergestellt werden. Dies ist unser vorrangiges Ziel, und auch unser finanzielles Hilfsprogramm folgt diesem Prinzip.

Im Geist konstruktiver Konsultationen, die dem gesamten Fussball zugute kommen sollen, arbeitet die FIFA mit viel Engagement daran, dem FIFA-Rat in den kommenden Wochen eine praktikable und zielführende Lösung vorzulegen.

Wir entwickeln ein System, das steuerbar, aber auch bedarfsgerecht ist. Wir wollen, dass der finanzielle Hilfsplan eine möglichst große Reichweite hat, die selbstverständlich auch den Frauenfussball einschließt und modern, effizient und transparent abläuft. Dies bedeutet, dass wir über solide Governance-Strukturen verfügen müssen, wobei auch eine Rechenschaftspflicht über die Zuweisung der finanziellen Mittel gegeben sein muss.

Ich freue mich auch, dass ich zu einem anderen sehr wichtigen Thema, nämlich dem internationalen Spielkalender, gute Fortschritte vermelden kann. In Konsultation mit verschiedenen Interessengruppen sind wir dem Ziel näher gekommen, eine ausgewogene Lösung vorzulegen, die die Herausforderungen und Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt.

Ich habe jetzt mehrfach von Konsultation gesprochen, und wenn wir einen positiven Aspekt aus dieser Situation mitnehmen können, dann ist es sicherlich, dass der Fussball dank Euch und der FIFA definitiv einen aktiven und gesunden Kanal für Dialog und Diskussion über alle Aspekte unseres Sports geschaffen hat.

Meine lieben Freunde, vor einiger Zeit habe ich gesagt, dies könne eine Gelegenheit sein, etwas Abstand zu gewinnen und nachzudenken. Ich freue mich, dass zahlreiche Führungskräfte, Administratoren und auch Trainer und Spieler den Ball aufgenommen und ihre Ansichten geäußert haben. Ich habe mit vielen von Euch sehr interessante Gespräche geführt.

Um dieses gemeinsame Brainstorming fortzusetzen, plane ich mehrere Online-Diskussionen, um sicherzustellen, dass all Eure Stimmen ebenso wie die anderer wichtiger Interessengruppen gehört werden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unsere Zukunft nur gestalten können, wenn wir mit Euch, den Mitgliedern der FIFA, darüber diskutieren. Denn Ihr seid die FIFA. Und wir können und wollen keine Entscheidungen als kleine Gruppe in irgendwelchen Hinterzimmern treffen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei! Jetzt seid Ihr am Zug. Wir möchten Eure Ansichten zu Themen wie dem zukünftigen internationalen Spielkalender und des Wettbewerbes hören.

  • Wie sollen wir mit der gestiegenen Anzahl an Spielen umgehen, die Topspieler bestreiten? Wie viele Spiele kann ein Spieler in einer Saison bestreiten?
  • Wie sollten unsere Wettbewerbe in Zukunft organisiert werden, auf FIFA-Ebene, auf nationaler Ebene …
  • Und wie können wir den Kalender und die Wettbewerbe zwischen den Kontinenten besser abstimmen, während der Fussball immer globaler wird?

Was die Aspekte Finanzen und Governance angeht, habe ich ebenfalls eine Reihe interessanter Vorschläge zu einem breiten Themenfeld gehört –  von Obergrenzen für Gehälter und Transfergebühren oder andere Steuermechanismen bis hin zur möglichen Verpflichtung der Verbände, Wettbewerbsveranstalter und Klubs, Rücklagen zu bilden oder in einen Fonds einzuzahlen, der in Zeiten des Bedarfs wie jetzt hilfreich sein kann.

Ich persönlich spreche mich für klarere und strengere finanzielle Regulierungen aus, die volle Transparenz und Good-Governance-Grundsätze vorschreiben, und dafür, dies nicht nur auf das Transfersystem zu beschränken, sondern auf das gesamte Fussball-Ökosystem auszuweiten. Die FIFA leistet in diesem Bereich bereits sehr viel Arbeit, auch wenn wir uns einigen starken Interessengruppen gegenübersehen, die gegen unser Plädoyer für bessere globale Governance in unserem Sport ankämpfen. Meine lieben Freunde, wir benötigen Eure volle Unterstützung und Euer Engagement, um im globalen Fussball die nächste Stufe der Good Governance zu erreichen.

Ich finde, dass diese und andere Maßnahmen, Projekte und Ideen auf allen Ebenen diskutiert werden sollten. Ich weiß, dass so etwas intensive Debatten auslösen wird, aber Debatten sind immer gesund, und wir sollten über alles gemeinsam sprechen – so wie wir in dieser schwierigen Zeit alle gemeinsam zusammenstehen.

An jeden einzelnen von Euch, meine lieben Freunde: Bleibt bitte vorsichtig und passt gut auf Euch selbst, Eure Familien und Eure Freunde auf. Lasst uns unsere Arbeit für einen besseren Fussball fortsetzen. Denn gemeinsam werden wir gewinnen.”

Noch keine Bewertungen.

Bewertung abgeben